Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

BGW mitteilungen 01_2015

der Patientenpflege einhergehen, genügt das regelmäßige Waschen der Hände mit Was- ser und Seife nach der Benutzung der Toi- lette, vor dem Essen und nach Kontakt zu Erkrankten oder auch wenn Sie Flächen be- rührt haben, die hochfrequent mit anderen Menschen in Kontakt stehen. Das sind zum Beispiel Türklinken oder Tastaturen und Com- putermäuse bei Gemeinschaftsarbeitsplät- zen. Ebenso wichtig wie die Häufigkeit des Händewaschens ist jedoch dessen Dauer. Wie eine Studie der Universität Regensburg zeigte, konnten beim Waschen der Hände für 20 bis 30 Sekunden 99,9 Prozent der Kei- me entfernt werden, hingegen verblieben sie bei nur 15 Sekunden Waschzeit unverändert auf der Haut. Dies ist leicht nachzuvollzie- hen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es einer Mindesteinwirkzeit bedarf, um die Keime aus ihrer Verankerung in der Haut mechanisch zu lösen und durch das Was- ser fortzuspülen. Übrigens, Wasser allein be- wirkt nicht viel – die Seife macht den Un- terschied! Waschen Sie sich also mit Seife die Hände und singen Sie dabei zweimal „Happy Birthday“ – das entspricht etwa 20 bis 30 Sekunden. Das macht nicht nur sauber, es hebt auch die Stimmung. Ein Stück Seife und Wasser sollte sich jeder Betrieb leisten können. Wäre damit das Problem nicht gelöst? Anders als im privaten Bereich ist im Be- trieb, auch entsprechend der Arbeitsstätten- Richtlinie (ASR A4.1), die Nutzung von Sei- fenspendern das Mittel der Wahl. Da ge- wöhnliche Seife Keime nicht abtötet, son- dern Verschmutzungen und damit Keime nur von der Haut löst, werden sich auf ei- nem Stück Seife in der Betriebstoilette auch immer Keime meines Vor- und Vorvorgän- gers finden. Bei Spendern – möglichst für eine pH-hautneutrale Waschlotion – passiert dies nicht. Ein ähnliches Prinzip verfolgen die Papierhandtuchspender, die aus hygie- nischen Gesichtspunkten generell zu be- vorzugen sind, übrigens auch gegenüber Heißlufttrocknern. Das noch feuchte klas- sische Stoffhandtuch, das nur alle zwei Wo- chen gewechselt wird, habe ich für ausge- storben gehalten. Bei einem Getränkeliefe- ranten wurde ich auf der Betriebstoilette eines Besseren belehrt. Dann bringt auch der moderne Seifenspender herzlich wenig. Sie sprechen gerade ausführlich vom Händewaschen – im Gesundheitswesen ist aber die Händedesinfektion das Mittel der Wahl, richtig? Das stimmt – in der Patientenpflege kommt dem Schutz des Personals vor Infektionen natürlich eine noch größere Rolle zu als in anderen Arbeitsbereichen. Die hygienische Händedesinfektion ist zum einen wirksam gegen Krankheitserreger und zum anderen wesentlich hautschonender als das Hände- waschen. Die entscheidende Maßnahme zur Prävention nosokomialer Infektionen – also Krankenhausinfektionen – ist damit die hy- gienische Händedesinfektion mit alkoholi- schen Präparaten 1) VOR Patientenkontakt, 2) VOR aseptischen Tätigkeiten, 3) NACH Kon- takt mit potenziell infektiösem Material, 4) NACH Patientenkontakt, 5) NACH Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung. Hin- weisen möchte ich noch darauf, dass man bei der hochfrequenten Händehygiene, wie sie im Gesundheitswesen nötig ist, genau- so wie in allen Arbeitsbereichen mit häufi- gem Wasserkontakt die begleitende Haut- pflege auf keinen Fall vergessen darf. Gibt es noch weitere Besonderheiten, die im Gesundheitswesen zu beachten sind? Ja, zum Beispiel dürfen bei Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion erfor- dern, keine künstlichen Fingernägel getra- gen werden. Erst kürzlich wurde darüber hinaus in der überarbeiteten Technischen Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 250 noch explizit ergänzt, dass bei Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion er- fordern, die Fingernägel grundsätzlich kurz und rund geschnitten zu tragen sind und die Fingerkuppen nicht überragen sollen. Über diesen Zusatz haben wir uns sehr ge- freut. Denn lange Fingernägel wirken wie ein Regenschirm für Keime, die sich darun- ter befinden. Wasser, Seife und Desinfekti- onsmittel können diese Hautareale schlecht erreichen und das Sicherheitsgefühl wird zum Trugschluss. Mit einfachen Maßnahmen zur Händehygiene lässt sich viel bewegen: Händewaschen mit Waschlotion ist eine Grundmaßnahme – aber gerade im Gesundheits- wesen ist die Händedesinfektion das Mittel der Wahl, bei weniger Belastung für die Haut. Spender für Handtücher oder Waschlotion sollten selbstverständlich sein. Eine Frage der Hygiene: Optisch saubere Hände genügen nicht. Fotos:BGW/FlorianArvanitopoulos;fotolia/VolkerWitt 11BGW mitteilungen 01 | 2015 Gesund im Betrieb

Seitenübersicht