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BGW mitteilungen 02_2015 - Erstbetreuung: Vermeiden, dass die Psyche leidet

Fotos:fotolia/Photographee.eu;AlexanderHeimann Wenn Heiko Reeg lakonisch von seinem „Ritterschlag“ berichtet, geht es nicht um einen schönen Berufseinstieg. Noch viele Jahre später ist der Vorfall, bei dem ein Psy- chiatrie-Patient dem Krankenpfleger völlig unerwartet auf den Kopf schlug, für ihn so erschütternd wie damals – auch angesichts seiner Erfahrung danach: Es gab zwar indi- viduelle Bemühungen, ihn später nicht wie- der mit dem Täter zu konfrontieren, doch darüber hinaus fand keinerlei systematische Aufarbeitung des Vorfalls statt. Ähnlich war es, als ihn eine dramatische Auffindesitua- tion nach einem Suizid auf seiner Station für einige Zeit aus der Bahn warf. „Danach habe ich alle Toten wiedergesehen.“ Psycho- logische Hilfe hat er sich dann auf eigene Initiative beschafft. Persönliche Moment- aufnahmen, die sein Engagement für die Gewaltprävention und für die Betreuung von Betroffenen erklären. Heute ist Heiko Reeg stolz darauf, dass bei ihm in der Klinik für Psychiatrie, Psychoso- matik und Psychotherapie des Agaplesion Elisabethenstifts Darmstadt die Idee der „Erstbetreuung“ getestet wird. Es geht da- rum, Beschäftigten unmittelbar nach Vorfäl- len, die ein Psychotrauma auslösen können, zur Seite zu stehen. Je eher dabei der Weg auch zu professioneller Hilfe geebnet werden kann, desto besser lässt sich Traumatisie- rungen vorbeugen. Was kollegiale Erstbetreuerinnen und Erst- betreuer im Elisabethenstift leisten, wird auch in anderen Branchen schon umgesetzt. Doch bislang ist unklar, wie ein solches An- gebot unter den Bedingungen des Gesund- heitsdienstes und der Wohlfahrtspflege aussehen könnte. Aus diesem Grund testet die BGW derzeit in Pilotprojekten die Wir- kungsweise und die Akzeptanz durch die Beschäftigten. Den Weg weisen Die Erstbetreuenden sollen keine psycholo- gische Beratung durchführen, sondern ganz praktisch durch die Situation lotsen: ein- schätzen und stabilisieren, Ruhe und An- sprache bieten, klären, ob jemand besser nach Hause gehen sollte und wie das um- setzbar ist, gegebenenfalls den Weg zum Erstbetreuung: Vermeiden, dass die Psyche leidet Kollegiale Unterstützung hilft Menschen, die gerade eine kritische Situation erleben mussten. Aus dieser Erfahrung ist die Idee der Erstbetreuung nach Gewalterlebnissen oder anderen psychisch belastenden Vorfällen entstanden, die von der BGW derzeit getestet wird. »Was unsere Patientinnen und Patienten täglich an Fürsorge von uns erwarten, das müssen wir uns selbstverständlich auch gegenseitig geben.« (Prof. Dr. Dr. Martin Hambrecht, Chefarzt am Agaplesion Elisabethenstift Darmstadt ) 14 BGW mitteilungen 02 | 2015 Gesund im Betrieb

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