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Young Help | Ausgabe 2/2015 - INTERVIEW

Immer in Balance

6 Sabine Gregersen, BGW-Psychologin, zum Thema „Work-Life-Balance“ Immer in Balance Warum ist es wichtig, nach der Arbeit abzuschalten? Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Auch andere Bereiche wie Familie, Freizeit, Sport und Hobbys sind für eine ausgewogene Lebensgestaltung wichtig. Irgendwann ist der Akku leer. Und wenn du es zu lange übertreibst, reichen irgendwann Wochenenden oder auch Urlaub nicht mehr aus, um runterzukommen, und du fühlst dich stän- dig erschöpft. Auf Dauer kann Stress also krank machen. Ich liebe meinen Job. Ist es da nicht selbstverständ- lich, dass ich auch nach Feierabend darüber nachdenke? Es ist ganz natürlich, auch in der Freizeit an seinen Job zu denken. Das kann ja auch gut sein. Wenn du auf der Arbeit ein positives Erlebnis hattest, kann dich das ja auch in der Freizeit pushen. Wenn du dich aber von der Arbeit verfolgt fühlst und dich ausschließlich mit den Problemen be- schäftigst, ist das nicht gesund. Welche Rolle spielt die Familie beim Thema Work-Life-Balance? Oft ist die Familie ein guter Ausgleich zum Job. Sie kann aber auch der Grund für Erschöpfung sein. Angenommen, jemand geht Vollzeit arbeiten, macht den Haushalt, orga- nisiert die Kinder und abends soll auch noch ein selbst gekochtes Drei-Gänge-Menü auf dem Tisch stehen. Wenn diese Person merkt, dass alles zu viel ist, muss sie unter Umständen ihre Ansprüche realistisch überdenken. Andere schaffen diese Belastung aber auch. Warum klappt das bei mir nicht? Jeder Mensch ist anders, das muss uns immer bewusst sein. Du solltest dich nicht ständig mit anderen verglei- chen, sondern für dich selbst herausfinden, was dir gut- tut. Außerdem weißt du ja nie, auf welche Kosten eine Kollegin oder ein Kollege alle Aufgaben bewältigt. An wen kann ich mich wenden, wenn ich mich über- fordert fühle? Erst einmal muss ich herausfinden, ob der Stress nur in einer einzelnen Situation auftritt oder ob er dauerhaft ist und die Arbeit zum täglichen Überlebenskampf macht. Dann kann ich das Gespräch mit den Vorgesetzten suchen oder im Team darüber reden, um eine Lösung zu finden. Wichtig ist, eine Vertrauensperson anzusprechen. Das könnte auch die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt sein, oder du wendest dich an eine hausärztliche Praxis. Falls vorhanden, ist auch jemand vom Betriebsrat eine gute Anlaufstelle. Wie sehen die gesundheitlichen Folgen von andauerndem Stress aus? Das wirkt sich sehr unterschiedlich aus. Betroffene reagie- ren in der Regel sowohl emotional als auch körperlich auf dauerhaften Stress. Sie werden traurig und ziehen sich zurück oder sind gereizt und zynisch. Körperlich äußert Stress sich oft darin, dass du schlecht aus dem Bett kommst, immer müde oder unruhig und hektisch bist. Was kann ich grundsätzlich tun, um eine gute Work- Life-Balance zu erreichen? „Welcher Typ bin ich?“ Diese Frage sollte am Anfang stehen. Denn nicht nur Überforderung kann im Job Stress verursachen, sondern auch Unterforderung. Bei Ersterem solltest du dir zum Ausgleich ein anspruchsvolles Hobby suchen. Wenn der Job hingegen schon alles von dir ab- verlangt, ist eine ruhige, entspannende Freizeitbeschäf- tigung passender. Gibt es Tricks, wie ich möglichen Stress auf der Arbeit reduzieren kann? Stress ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Ab und zu mal eine Überstunde schadet sicher niemandem. Wenn Stress aber dauerhaft anhält, muss sich etwas ändern. Dann muss ich mich fragen, was mich in diese Situationen bringt und wie ich damit umgehe. Viel- leicht reagiere ich auf eine bestimmte Patientin oder einen bestimmten Patien- ten immer unsicher, verkrampft oder gereizt. Dann kann ich mich mit Kollegin- nen und Kollegen darüber austauschen und eine Lösung finden. YOUNG HELP // Ausgabe 2 | 20156 INTERVIEW Die richtige Balance zwischen Job und Freizeit zu finden, ist nicht immer einfach. Wie du es trotzdem schaffen kannst, verrät dir BGW-Psychologin Sabine Gregersen. Foto:BGW,Fotolia

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